Wie es zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
Mittenwalde / Mark kam

Die Stadtwerdung Mittenwaldes fällt in den Zeitraum von 1232 bis 1245. Seit dieser Zeit gab es immer wieder verheerende Brände daher richtete man schon früh Brandschutz-maßnahmen ein. So war die Stadt bereits im Jahr 1518 mit ersten Feuerspritzen ausgerüstet.
1719 erließ der preußische König die „Königlich Preußische Feuerordnung in Städten“. Seit dieser Zeit kann man von einer Pflichtfeuerwehr in Mittenwalde sprechen, die in der Lage war weitere Stadtbrände, wie die in den Jahren 1634, 1638 und 1643, erfolgreich zu verhindern.

Durch die aufkommende Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte sich auch das Aufgabenfeld der Pflichtfeuerwehr. Wissensstand und Feuerwehrkameraden stießen an ihre Grenzen und die Idee zu einer Frei-willigen Feuerwehr wurde geboren. Maßgeblich beteiligt an diesem Prozess ist damals der Mittenwalder Männer-Turnverein-Jahn.
In den 1890er Jahren kommt es zu einer Vielzahl von Großbränden. Zum einen durch Brandstiftung um Gelder der Feuersozietät abzugreifen und zum anderen kam es zu großen Industriebränden.

Diese Industriebrände stellen die Pflichtfeuer-wehr vor nicht zu bewältigenden Heraus-forderungen. Sie sind dem Einsatzaufkommen und der immerwährenden neuen Gefahren nicht mehr gewachsen.

Die Situation spitzt sich im Laufe der Zeit weiter zu und so kommt es 1898 beim Großbrand der Essigfabrik in Hoherlehme (Wildau) zur Meuterei der Pflichtfeuerwehr.
Die Mittenwalder Pflichtfeuerwehr ist zwar zum Brand ausgerückt, hat aber Schläuche und Strahlrohre in Mittenwalde zurückgelassen. Das gleiche taten sie nur wenige Tage später, als in Deutschwusterhausen mehrere Bauerngehöffte nebst Scheunen und Stallungen brannten. Sie ließen wieder ihre Schläuche in Mittenwalde zurück.

Das war endgültig der Auftakt für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in der Stadt Mittenwalde.
So lud der Magistrat, über eine öffentliche Bekanntmachung, „all jene Personen die der Freiwilligen Feuerwehr beitreten wollen, zu der am Sonnabend den 4 März 1899 im Restaurant Fuhrmann stattfindenden, Versammlung ein.
Die Freiwillige Feuerwehr Mittenwalde wurde mit 34 Kameraden ins Leben gerufen.
Nach 1-jähriger Ausbildungszeit war die Freiwillige Feuerwehr einsatzbereit.
Im Jahr 1900 hatte die Freiwillige Feuer-wehr 7 Einsätze erfolgreich in Mittenwalde bewältigt.
1902 verhindern sie den Untergang eines großen Lastkahns auf dem Nottekanal.
Ebenfalls 1902 bekommt die Freiwillige Feuerwehr auch ihr eigenes Spritzenhaus in der Baruther Vorstadt, der versprochene Steigerturm wird 1907 an die Wache angebaut.

1901 besteht die Freiwillige Feuerwehr aus 32 Kameraden, die Pflichtfeuerwehr aus 327 Bürgern.
Im August 1910 wird die Feuerwehr zum Eisenbahnunglück nahe des Mittenwalder Bahnhofes gerufen. Sie müssen einen Schwerstverletzten versorgen und den Kessel der Dampflokomotive ausräumen und die Kohlen ablöschen.
Die erste Katastrophe bei dem die Freiwillige Feuerwehr massiv an Leistungsfähigkeit verlor, war der 1. Weltkrieg.
Von 35 Kameraden vor dem Krieg, waren nachweislich mindestens 28 Männer im Front-
dienst. Nur 2 Kameraden der Feuerwehr hatten das Glück, den Krieg von Anfang bis Ende unbeschadet zu überstehen.
Der Wiederaufbau der Feuerwehr nach Kriegsende gelang und in ihrer Geschichte wurde die Wehr erstmalig am 11. April 1923 zur Hilfeleistung bei einem
Verkehrsunfall gerufen.
Mit der Machtübernahme der NSDAP am 30.Januar 1930 beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der FF. 1934 wird die Feuerwehrausbildung grundlegend weiterentwickelt und reichseinheitlich vollzogen.
Der Technische Fortschritt schreitet ebenfalls weiter voran. 1935 bekommt Mittenwalde nun auch ein Trinkwasser- und Unterflurhydrantennetz.
Damit sie für die Benutzung der Hydranten entsprechende Amaturen mitführen können, wird 1935 ein einachsiger Hydrantenanhänger angeschafft, welcher fortan vom Mannschaftswagen mitgeführt wird.

1935 wird ebenfalls eine Feuerwehrsirene in Mittenwalde installiert und 1937 wird jeder Kamerad mit einem Stahlhelm ausgerüstet.

Der letzte Einsatz in Friedenszeiten war am 11. August 1939, bei einen Müllwagenbrand auf dem Schienenabschnitt bei Motzen.
Nach einem Runderlass von März 1943, werden dort wo es nicht mehr genügend Männer für die Feuerwehr gibt, nun auch Frauen im Alter von 17 und 40 Jahren als Feuerwehrhelferinnen zum Feuerlöschdienst herangezogen. In Mittenwalde betraf dies 11 Frauen.
Während des 2. Weltkrieges wurden Feuerwehrbereitschaften gebildet. So wurde die Mittenwalder Freiwillige Feuerwehr, einer der 3 Feuerwehrbereitschaften des Kreises Teltow zugeteilt. Wie oft und wo genau die Mittenwalder Kräfte zum Einsatz kamen, ist noch nicht recherchiert.
Nach Kriegsende war die Mittenwalder Feuerwehr nicht mehr einsatzbereit! Um die Einsatzbereitschaft wieder herstellen zu können, spendeten die Mittenwalder von dem wenigen was sie hatten, wodurch das LF8 wieder Einsatzbereit gemacht werden konnte.
Im März 1947 wird die Mittenwalder Feuerwehr mit Teilen der alten Feuerwehrbereitschaft Teltow, durch die SMAD zum Hochwasser an die Oder beordert. Die Einsätze der Mittenwalder sind seit Mitte der 50er Jahre bunt gemischt. Es ist alles dabei, von der Tierrettung, Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen, Gasunfällen, Bergen von Wasserleichen, Rettung Ertrinkender, Wohnungs- und Scheunenbrände.